Perspektivvielfalt bei der Personalentscheidung


Der Trainerwechsel der Handballnationalmannschaft war längst überfällig und nur konsequent. Dennoch kam der Zeitpunkt für manche überraschend. Sinn ergibt eine Stellenneubesetzung nur, wenn sie von verschiedenen Blickrichtungen betrachtet wird. Schauen wir uns dieses Vorgehen beispielhaft an.

Cheftrainerwechsel bei Handballnationalmannschaft der Männer

Knapp verfehlte Christian Prokops Team immer wieder die gesteckten Ziele. Richtig zufrieden mit Prokops Trainerleistung waren die Verantwortlichen wohl nie. Dass man so lange an ihm festhielt, brachte so manche(n) dazu, den Handballsachverstand der Verantwortlichen ernsthaft zu hinterfragen.

Dennoch war der fünfte Platz bei der Europameisterschaft 2020 nicht so schlecht, wie er formal aussieht, da die deutsche Nationalmannschaft lediglich an dem Sieger und dem Silbermedaillengewinner der Europameisterschaft gescheitert ist. Schöngerechnet sind die deutschen Handballherren doch Dritter.

Also, warum nun jetzt der weise Entschluss sich vom Prokop zu trennen?

Das ist jedoch nur die eine Seite des Marktes: die Nachfrageseite. Haben wir Bedarf an einem neuen Trainer? Bei der Betrachtung des Angebotes wird die Angelegenheit jedoch glasklar:

„Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es für mich ein Traumjob ist, Handball-Bundestrainer zu sein“, bekundete der neu gekürte Trainer Alfred Gislason gradlinig. Hier ist einer, der weiß, was er will. Und er weiß auch, wie er es bekommt und anschließend verwirklicht. Seine Erfolge als Trainer unterstreichen dieses deutlich: siebenmal deutscher Handballmeister, sechsmal deutscher Pokalsieger dazu dreimal die EHF Champions League Sieger sowie EHF-Pokal-Meister.

Wenn sich ein Weltklassetrainer anbietet, muss man ihn mit offenen Armen empfangen. Natürlich war Gislason zielstrebig genug, um seinem Wunsch genügend Nachdruck zu verleihen: mit anderen Handballverbänden zu verhandeln und damit auf den deutschen Handballbund, den Druck auszuüben, den diese Entscheidung auch brauchte.

Schließlich ist bei der Besetzung einer Stelle auch das Ausfüllen der Tätigkeit von zentraler Bedeutung. Gislasons „Charisma“ und „Souveränität“ machen die kleinen, aber feinen Unterschiede. Ihm wird einfach mehr zugetraut. Vom Präsidium und zukünftig sicherlich auch von der Mannschaft selbst. Sein Ziel ist es, mit dem Team „eine Dynamik zu entwickeln“. Mit dieser angesprochenen Dynamik markiert er eine neue Ära, auf die sich die deutsche Handballwelt freuen darf.

360-Grad-Umsicht bei der Personalentscheidung

Folgende Grundsätze lassen sich gut an dieser Stellenumbesetung ableiten:

Der Stellenmarkt wird sowohl von der Nachfrage- als auch von der Angebotsseite betrachtet.

Bei der Besetzung werden sowohl die vorgewiesenen Erfolge, als auch das zukünftige Potential mit einbezogen.

Persönlichkeit, Schlüsselqualifikationen und Kernkompetenzen sind die weiteren entscheidenden Faktoren.

Harte Entscheidungen sind nun mal notwendig und richtig.

Die Kommunikation dieser Entscheidungen ist komplex.

Schaffen Sie ein Umfeld, wo Spitzenkräfte arbeiten möchten.

Genießen Sie die positive Dynamik.


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