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Resilienz – nutzen Sie das Patentrezept richtig

Resilienz, verstanden als die Fähigkeit gestärkt aus Krisen hervorzugehen, is(t) the State to be. Diese Stärke steht nicht nur Individuen, sondern auch Organisationen und ganzen Gesellschaften gut. Auch der Menschheit täte es wohl, die Umweltkrise zumindest zu meistern… Doch wir sind noch nicht so weit. Wir müssen das Thema tiefer ergründen, um uns selbst, die Unternehmen und die Menschheit voranzubringen. Fangen wir doch mal an…

Unterschiedliche Coping-Strategien

Mit Schicksalsschlägen können Menschen, Organisationen oder Gesellschaften sehr unterschiedlich umgehen. In einer Krise stürzen alle in ein tiefes Loch, doch die Menschen gehen damit sehr unterschiedlich um.

  1. Die einen negieren die Situation – da ist gar kein Loch – und verpassen damit die Chancen, sich damit eingehend auseinanderzusetzen und daran zu wachsen.
  2. Die anderen nehmen eine Opferrolle ein und zelebrieren ihr Opferdasein.
  3. Resiliente Menschen entwickeln Strategien, um aus dem Loch herauszukommen.

Resilientes Verhalten

Resiliente Personen holen sich Hilfe von außen. Sie schauen nach Vorbildern, die eine solche Situation mit Bravour gemeistert haben und kupfern diese ab. Eine positive Geisteshaltung behalten resiliente Menschen bei. Am Ende gehe ich aus der Krise gestärkt hervor, so oder so ählich lautet das Motto. Sie akzeptieren das Unveränderliche und nehmen vieles mit Humor. Dennoch wissen sie, dass der Ernst der Situation Kraft, Mut und Zuversicht erfordert. Und sie realisieren, dass es eine Weile braucht, um mit der Situation fertig zu werden; sie bringen die notwendige Ausdauer auf.

Richtige Forschungsfragen

Die ultimative Forschungsfrage lautet nun: Wer oder was entscheidet zu welcher Gruppe man gehört? Ist die Resilienz den Personen auf der Stirn geschrieben?

Resilienz gibt es nicht auf Rezept. Schade. Warum eigentlich nicht?

Studien hierzu gibt es zwar viele, aber nicht genug. Vielleicht, weil sich die Wissenschaft auf die (psychisch) Kranken und nicht auf die Gesunden fokussiert hat. Hat etwa bisher die Forschungsgemeinschaft viel zu sehr Ihr Augenmerk mehr auf das Negative statt auf das Positive gerichtet?

Umdenken der Wissenschaft

»Momentan wird Resilienz oft mit Hilfe von Fragebogen gemessen, die im Wesentlichen eine Kombination vorher festgelegter Faktoren abbilden«, erläutert Kalisch im Spektrum der Wissenschaft, der als Neurowissenschaftler in Mainz zum Resilienzthema forscht. Auf diese Art und Weise könne jedoch nicht die zukünftige Entwicklung der psychischen Gesundheit vorhergesagt werden. Es brauche Langzeitstudien um Resilienz besser zu verstehen. Probanden und Probandinnen müssten immer wieder zu ihrer Gesundheit, den erfahrenen Widrigkeiten sowie ihrem Umgang mit diesen befragt werden. Aus diesen langen Fallstudien ließen sich Rückschlüsse auf die resilienten Lern- und Anpassungsprozesse ziehen, stellt Kalisch richtig heraus. Einen solchen Ansatz verfolge sein Resilienz-Projekt, bisher jedoch noch ohne zitierfähige Ergebnisse.

Resilienz -Case-Studies

Da habe ich meine eigenen Case-Studies, die es wirklich verdienen, hier zitiert zu werden. Heute lasse ich Onkel Nicki aufleben und denke an meinen Schulfreund Marco, dessen Name hier geädert wurde.

Onkel Nicki

Mein verstorbener Großonkel Nicki überlebte die Wirren des Krieges an der Front. Er sagte, man müsse in Extremsituationen die Ratio ausschalten. Humor allein habe ihm das Überleben gerettet. Es ist auch erwähnenswert, dass er gesund und muter knapp hundert Jahre geworden ist. Mit über neunzig Lenzen wollte er für sich selbst die Pfelegestufe beantragen. Er machte sich selbst fertig und fuhr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln allein in die benachbarte Stadt. Seine lieben Kinder würden so viel für ihn tun, da könnten sie einwenig Geld von der Pflegekasse doch kriegen, das wäre doch nur gerecht… Der verdutzte Beamte gab dem netten älteren Herrn freundlich den Tipp, doch in einem Jahr seine Kinder mit der Sache zu beauftragen. Onkel Nicki kostete diese Geschichte humorvoll aus. Lachen war sein Überlebensprinzip. Er lachte immer. Und ich lächle, wenn ich an ihn denke…

Resilienz – die Schulfreundschaft

Marco (Name geändert) ist mein Schulfreund, der HIV-positiv seit fast dreißig Jahren ist. AIDS brach aus. Die Ärzte gaben ihm vier Jahre. Marco lebt noch. „Das Leben ist kein Zuckerschlecken“, höre ich ihn oft sagen. Die Gespräche mit ihm sind stets tief und weise. Belanglosigkeiten haben keinen Platz.

Er lebt nun genau dort, wo das Covid-19-Virus sein Unwesen trieb. In Göttingen in dem besagten Hochhaus, wo sehr sehr viele Menschen positiv auf Cov-19 getestet wurden. In der Zeit des akuten Ausbruchs frug ich ihn, wie es ihm gehe. Wie er mit der Situation zurecht komme? „Ach, Edith“ sagte er, „ich habe AIDS überlebt, mit dem Covid-Virus werde ich nun auch fertig. Da bin ich mir sicher. Ich nehme Virusmedikamente ein, die werden schon helfen.“

Mein „Aber“ ließ ich im Hals stecken. Dachte nach…

Resilienz – Konklusion

Was haben beide Fälle gemeisam?

Beide mussten sich aktiv und intensiv mit dem Tod auseinandersetzen. Sie entwickelten einen starken Überlebenswillen. Dafür haben sie viel mehr Kräfte als den bloßen Verstand mobilisiert. Der Überlebenswille sitzt viel tiefer. Er ist viel brachialischer.

Akzeptanz, Selbstliebe, Optimismus, Selbstwirksamkeit und Lösungsorientierung helfen in Krisen sicherlich weiter.

Das beste zum Schluss:

Alles lässt sich trainieren und kultivieren:
persönlich, organisatrisch und auch als Menschheit…

…darauf kommt auch die Wissenschaft, da bin ich mir ganz sicher!

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