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Merkels Krisenkompetenz

Am heutigen Tage steht Deutschland im Ländervergleich der Corona-Coping-Kompetenz ziemlich weit vorn. Entschiedenes Handeln auf der Basis von Unsicherheiten, weil es bislang keine validen Fakten gibt, lässt unsere Kanzlerin im weltweiten Vergleich gut dastehen. Daher eignet sich Frau Merkel, vor der es nicht einmal das Wort „Kanzlerin“ gab, als Anschauungsobjekt für gelungenes Krisenmanagement. Doch wodurch zeichnet sich Merkels Krisenkompetenz nun genau aus?

Neue Wege bestreiten

Kanzlerin Merkel, weiß wie das ist, neue Pfade zu hinterlassen, auf denen ihr viele folgen werden. Weibliche Vorbilder für ihren anvisierten Posten als „Frau Bundeskanzler“, denn der Duden kannte bis dato nicht die weibliche Form, hatte sie nicht. Bei der Frage, wie sie nach einer gewonnenen Wahl zukünftig angeredet werden möchte, verwies sie auf die Zeit nach der Wahl. Als amtierende Kanzlerin stellte sie klar, dass sie mit „Kanzlerin“ angeredet werden wolle und keiner hatte ein Problem damit. Auch der Duden wurde angepasst, nicht nur diesbezüglich.

Be ready rather than be sorry!

Die Mutter der Porzellankiste, die Vorsicht, lässt Merkel walten. Ihr umsichtiges Vorgehen, das sie selbst vielmals als „alternativlos“ bezeichnete, lässt sie fast unantastbar wirken. Innerparteilich gefühlt schon ewig. In der Krise auch überparteilich.

Mit ihrer innerparteilichen Kritik an den „Öffnungsdiskussionsorgien“ mahnt sie zur Ruhe und zur innerparteilichen Besinnung. Darf man die Demokratie auf diese Weise im Keim ersticken? Gibt ihr ihr Erfolg dieses Recht? Die Zahl der Toten spricht für sich. Und Merkel ist weise genug, diesen Erfolg an die Bevölkerung weiterzugeben. „Dass das gelungen ist, ist den Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken. Die alle Einschränkungen mit so großer Disziplin und Geduld getragen haben. Heute möchte ich nochmal vom ganzen Herzen Danke sagen.“ (Merkel in der Pressekonferenz vom 20.04.2020).

Merkels Krisenkompetenz ist Zuversicht verbreiten

„Wir schaffen das“, muss von Merkel nicht mehr ausgesprochen werden. Es schwingt immer mit. Sie verkörpert Lösungskompetenz. Nicht, dass sie vorgibt, alles zu können und zu wissen. Merkel agiert besonnen, reflektiert und stets überzeugt, den besten aller möglichen Wege zu gehen. Und wenn sie es nicht wissen kann, dann ist sie klug genug, die Wirkungen der auf Unsicherheit basierten Entscheidungen zu analysieren, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen und dies auch so zu kommunizieren.

Merkels Ausdauer

Merkel war noch nie eine Sprinterin. Aber mit den nötigen Ruhepausen und stets mit der richtigen Navigation, schafft sie, wenn nötig, den 100 km Marsch. So führt sie Deutschland aus der Krise. Wer sonst?

War das nun Wahlkampfwerbung für Frau Merkel? Nein, hat sie nicht nötig.

Oder es mit Sebastian Puffpaff´s Worten vom heutigen Tag zu sagen:

„Für den Verstand.“

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Krisenkompetenz entwickeln

Dass wir in Deutschland schon lang keine Erfahrungen mit existentiellen Krisen gemacht haben, ist einerseits ein Luxus, andererseits fehlt uns die praktische Auseinandersetzung auf diesem Feld. Wir konnten noch keine Krisenkompetenz entwickeln. Jedenfalls nicht so richtig.

Krisenkompetenz entwickeln – wie soll das gehen?

Krisenkompetenz fehlt an allen Ecken und Enden. Dieses spürt nicht nur die politische Elite, sondern auch die Führungsetagen in den Unternehmen – landauf und landab.

Den Lebenserfahrenen ist der zweite Weltkrieg zumindest aus ihrer Elterngeneration beziehungsweise aus der Großelterngeneration präsent.

Ich wurde gute zwanzig Jahre nach dem Krieg geboren, gefühlt eine Ewigkeit und drei Tage lang später. Etwa den gleichen Zeitabstand nach der Wiedervereinigung, auf dem ehemaligen Grezstreifen spazierend, erklärte ich meinem Nachwuchs, dass sich hier einst die Welt in Ost und West teilte. „Mama, dass ist doch schon lange her“, stellte eins der Kinder derart fest, dass mir schlagartig klar wurde: Für die Generation der Millennials ist dies Geschichte, für mich jedoch gelebte Erfahrung, ein Teil meines Lebens, als wär´ s fast gestern…

Erfahrungen der Kriegsgenerationen

Die Kriegsgenerationen haben noch Krisenkompetenzen entwickelt. Sie versuchten verzweifelt diese an uns weiterzugeben und wir haben sie als unbrauchbar erlebt. Bisher zumindest.

Doch nun ist es an der Zeit sich diese zu vergenwärtigen und umzusetzen.

Verteilungskämpfe

Besonnenheit bei Wareneinkauf klappt mehr oder weniger lange. Spätestens wenn die Regale leer sind, fängt das Hamstern an. Jeder ist sich selbst der Nächste. Alle benötigen Toilettenpapier, egal ob sie eine, elf oder hundert Rollen noch haben. Da in unserer Überflussgesellschaft genung für alle da ist, muss die Verteilung gerecht organisiert werden. Je eher, desto besser. Mangelwirtschaft kennen wir auch aus dem Ostblock. Leere Regale gehörten hier dazu. Polen führte zeitweilig ein Markensystem für Mehl und Zucker ein. Diese Produkte konnte die Bevölkerung nicht für Geld kaufen, sondern mit den verteilten Marken einlösen. Es klappte. Die Menschen spürten: Es ist genug für alle da. Es muss nur gerecht verteilt werden.

Sparen

Sparen gehört bei vielen nicht zu den Kernkompetenzen. Wir leben im Hier und Jetzt. Licht ausmachen und andere Dinge nerven nur. Doch wenn wir die verbrauchte Menge halbieren, was bei eher verschwänderischem Umgang leicht umsetzbar ist, reichen die Produkte doppelt so lang. Bei mir persönlich besteht da noch Potential.

Miteinander statt Gegeneinander

Wie wir uns in der Krise verhalten, wird unser Zusammenleben langfristig prägen. Viel länger, als wir anzunehmen bereit sind. Als Enkelkind profitierte ich von den Verhaltensweisen meiner Großeltern. Meine Großmutter darauf angesprochen: „Oma, hattest du keine Angst, du warst allein mit zwei kleinen Kindern?“ – „Nein, die konnten mir nichts tun, ich hatte Verantwortung für zwei kleine Kinder“ war die verblüffende Antwort. Courage ist eine persönliche Einstellung, die wir nicht genug aufbauen und internalisieren können. In Krisenzeiten mehr denn je.

Krisenkompetenz entwickeln, die betriebliche Komponente

Als Studentin übernahm ich einen Aushilfsjob. Von meinen neuen Kollegen wurde ich schnell eingewiesen: „Wir machen den Job von einer, deren Kind gestorben ist. Es ist an einer Vergiftung durch ein Softeis erkrankt. Der Chef hat ihr nicht frei gegeben. Das Kind ist verstorben. Sie hat es nicht verkraftet. Nun machen wir ihren Job.“ Es ist klar, dass alle wesentlich weniger als „Dienst nach Vorschrift“ schlecht erledigten. Jeder neue Mitarbeiter wurde so eingewiesen, bis das kleine Unternehmen dicht machte. Meine eigenen Kinder bekamen nie ein Softeis. Mit dieser Story begründet, wollten sie auch nie eins.

Krisenkompetenz bedeutet vor allem auch Hilfsbereitschaft und Fürsorge zu entwickeln. Das können auch Organisationen tun. Auch wenn es sich langfristig auszahlt, sollten Sie es aus altruistischen Gründen tun.